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Ihr Reiseführer für die Kanaren


Anaga, Salmor und Garachico - Die Felsinseln im Meer


Inseln haben ihr ganz eigenes Ordnungssystem. Auf den drei Ozeanen gibt es Archipele, kleine Inselgruppen, einzelne Inseln, Eilande und schließlich Felsen, die sich aus dem Meer erheben. De Kanarischen Inseln bestehen aus vielerlei Inseltypen. Die Kleinsten werden im Spanischen Roques genannt. Das sind kleine unbewohnte Felsinseln. Neun aus dem Atlantischen Ozean ragende Felsen sind (winziger) Teil der Kanaren.


Das touristische Geschäft geht zu allen Jahreszeiten spurlos an den Roques vorbei. Die Felsinseln waren nie besiedelt - die kanarischen Ureinwohner, spanische Siedler und die Urlauber aus aller Welt zogen und ziehen fruchtbarere Gegenden vor, mit Blumen und Palmen, Äckern und Weiden, mit Süßwasser, Sandstränden, kleinen Bars und Restaurants. Das alles fehlt diesen Inselchen.

 



Kein Haus wurde hier je in die steilen Felswände gehauen, keine windschiefe Holzhütte zusammengezimmert. Nicht einmal Mönche suchten hier wie auf anderen Felsinseln- in Portugal, England, Wales oder Irland - nach einsiedlerischer Abgeschiedenheit. Auf diesen Felsinseln, das steht fest, ist man den Menschen fern und dafür Gott ein wenig näher.


Wer von den Küsten der Urlaubinseln Teneriffa oder El Hierro hinunterblickt auf die Felsinseln Roque Dentro de Anaga, Roque de Garachico, Roque Grande de Salmor und Roque Chico de Salmor, ist fasziniert von ihrer bizarren Schönheit. Wie Skulpturen, geschaffen von maritimen Bildhauern, ragen die ganz unterschiedlich geformten Felsen aus dem Wasser - Land Art kann nicht schöner sein. Manches Inselchen neigt zu Imitationen en miniature. So ist der Roque Dentro de Anaga zu Recht nach einem Gebirgszug auf Teneriffa benannt.


Mittags, wenn die Stimmung auf den Urlaubsinseln ein wenig schläfrig wird und die Hitze die Luft leicht zum Flimmern bringt, spielen sich Dank menschlicher Einbildungskraft auf den Felsnadeln phantastische Geschichten ab. Piratenkapitäne lassen sich zur Insel rudern und erklimmen ächzend, weil mit einer Schatztruhe schwer beladen, die Vorsprünge im Fels. Eine Höhle im Vulkangestein nimmt die geraubten Dukaten, silbernen Kerzenleuchter und goldenen Armbänder auf und bewahrt das Geheimnis der Piraten bis heute. Lägen diese Felsinseln in der Karibik, hätten Schatzsucher vielleicht eine Chance, die Kanarischen Inseln aber waren in ihrer Geschichte kein wirklicher Ort für die Seeräuberei.


Mag sein, dass die steinigen Inseln Schiffbrüchigen zum rettenden Ufer wurden. Dann standen die Überlebenschancen gar nicht schlecht. Denn anders als der Robinson von Sala-y-Gomez, jenem einsame Felsen im Pazifischen Ozean, den der deutsche Romantiker und Weltreisende Adalbert von Chamisso in seinem gleichnamigen Gedicht beschrieben hat, liegen die Inseln in Sichtweite der Küste. Vogeleier und Muscheln boten Nahrung, vielleicht auch der eine oder andere Fisch. Nur mit Trinkwasser sah es schlecht aus.


Wenn Inseln von Menschen verschont bleiben, werden sie zum Paradies für Tiere. Das gilt auch noch für das kleinste Eiland. Los Roque Dentro de Anaga sind eine kleine Gruppe von im Nordwesten der großen Insel Teneriffa gelegenen Vogelfelsen, wie sie von Einheimischen genannt werden. Sie sind das insgesamt rund zehn Hektar große Refigium für zahlreiche Seevögel, ihr Brut- und Aufzuchtplatz. Nähern sich Fischer- oder Sportboote den Inseln, steigen die Tiere wie eine weiße Rauchwolke auf und ein unbeschreibliches Getöse aus wilden spitzen Schreien erfüllt die Luft.


Die Menschen auf Teneriffa haben sich an ihre Felsinseln gewöhnt. Für fotografierende Urlauber sind sie ein dankbares Hintergrundmotiv. Der Roque de Garachico ist das Wahrzeichen der Stadt Garachico, die einst die größte Hafenstadt der Insel war. Was aber nur Wenige wissen: der Roque de Garachico ist nicht nur ein faszinierendes Naturdenkmal sondern auch ein Schutzgebiet. Seit 1987 trägt der ungefähr fünf Hektar große Stein den Titel "Paraje natural de intere\\\\'s nacional del islote de Garachico". Sieben Jahre später, 1994, durfte sich das Inselchen dann mit der Auszeichnung zum "Monumento Natural del Roque de Garachico" schmücken.


En nicht unbedeutendes Kapitel Naturgeschichte haben die Roques de Samor nördlich von von El Hierro geschrieben. Dort sind 36 Exemplare der äußerst seltenen Rieseneidechse (Gallotina intermedia) ausgesetzt worden. Diese nur auf den Kanarischen Inseln vorkommende Tierart (endemisch) galt lange Zeit als ausgestorben. Bis sie 1996 von einem Biologen in wenigen Exemplaren im unzugänglichen Teno-Gebirge von Teneriffa wiederentdeckt worden ist. Nahezu zeitgleich entdeckte ein Ziegenhirte auf Hierro eine Restpopulation. Später kamen noch einige Tiere hinzu, die sich lange Zeit auf Gomera verbergen konnten, an einer Steilwand in Valle Gran Rey.

 



Die auf Roque Chico ausgewilderten Echsen sind teilweise mehr als einen halben Meter lang. Viele Tiere haben auf der Felsinsel allerdings nicht überlebt. 78 Prozent sind verendet, heißt es in einer Studie. Wissenschaftler machen vor allem verwilderte Hauskatzen für den Tod zahlreicher Riesenechsen verantwortlich. Inzwischen wurde ein Rettungsprogramm aufgelegt, welches die Katzen endgültig von der Echseninsel vertreiben soll.


Früher lebte auf Roque Chico de Salmor die Unterart einer noch größeren Rieseneidechse: Lagarto Giganto maß stattliche 1,50 Meter. 1940 wurden die letzten lebenden Exemplare auf der Insel gesichtet. Dann hatten Sammler aus aller Welt diese Riesenechse ausgerottet. Auch unwirtliche Inseln wie die Roques der Kanaren sind nur eine Arche Noah auf Zeit. Es gab also doch noch einen Schatz auf diesen für Menschen nicht geschaffenen Felsinseln zu plündern.

 



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